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Symposium zur Rolle der Kultur für die Gesellschaft in Niedersachsen

Unter Anwesenheit von drei Landesministern fand am 12. Januar in Hannover das Niedersächsische Kultursymposium „Starke Kultur. Starke Gesellschaft. Starke Regionen“ statt. Im Kulturzentrum Pavillon diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus der Kulturszene sowie aus Politik und Verwaltung. Mit dabei auch Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann als Vorsitzender des Landschaftsverbands Osnabrücker Land

Eingeladen hatten der Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände (akku) und die Arbeitsgemeinschaft der Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen (ALLviN). Ziel der Veranstaltung waren neben der Sachstandsanalyse der Schwerpunktthemen „Schule und kulturelle Bildung“, „Kultur und Tourismus“ und „Demokratische Teilhabe“ zugleich die Formulierung von Forderungen an die Landesregierung. Diese war mit gleich drei Ministerinnen und  Ministern prominent vertreten: Falko Mohrs (Wissenschaft und Kultur), Gerald Heere (Finanzen) und Julia Willie Hamburg (Kultus). „Das war ein beeindruckender Impuls für das gesamte niedersächsische Kulturleben. Und trotz widriger Wetterbedingungen sind 150 Teilnehmende aus ganz Niedersachsen der Einladung von akku und ALLvin gefolgt“, sagt Vera Lüdeck (akku-Vorstand).

In seinem Eröffnungsvortrag beleuchtete Professor Stephan Berg die Bedeutung von Kultur als Fundament für die Identität einer Gesellschaft vor dem Hintergrund der wiederkehrenden Infragestellung staatlicher Förderung. Sein pointiertes Fazit: „Kultur ist die Torte, nicht die Kirsche.“ Auf diese Keynote folgten die nackten Fakten: Lisa Wersch vom Statistischen Bundesamt präsentierte die Methodik und die Zahlen des alle zwei Jahre veröffentlichten Kulturfinanzberichts des Bundes. Anhand ihres Zahlenmaterials zeigte Wersch, insbesondere auch im Vergleich mit Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, dass trotz langfristiger Steigerungen Niedersachsen 2021 unter den Bundesländern den vorletzten Platz der Pro-Kopf-Ausgaben in der Kultur belegt. Wie dies zu ändern sein könnte, war u. a. Gegenstand der weiteren Diskussionen des Symposiums.

Zwar betonte Minister Mohrs in seinem Statement, in welchem Maße (40 Mio. Euro) der Landeskulturhaushalt angewachsen sei, räumte jedoch ein, dass die Situation der Kulturförderung im Lande noch nicht ideal sei. Dies vertieften in der Podiumsdiskussion mit den Kultur- und Finanzministern die Diskutanten Stephan Berg, Lavinia Francke (Stiftung Niedersachsen) und Wolfgang Beckermann (Landschaftsverband Osnabrücker Land). So betonte Mohrs, dass in der Planungssicherheit für die Kultur im Lande mehr Verlässlichkeit geschaffen werden müsse, so beispielsweise durch Verstetigung von Programmen, die jährlich nur auf der Politischen Liste stehen. Beckermann und Berg hoben hervor, welch hoher Druck auf den Kommunen läge, auf die zunehmend Leistungen verlagert würden, in denen für freiwillige Aufgaben jedoch immer weniger Spielräume bestünden. Und dies, obwohl sich durch Einsparungen in der Kultur de facto keine kommunalen Haushalte konsolidieren ließen, so Beckermann. Dieser Trend spiegle sich, so Lavinia Francke, auch in der steigenden Zahl von Förderanträgen an ihre Stiftung wider. Alle auf dem Podium waren sich einig, dass das Niedersächsische Kulturfördergesetz für die Finanznöte in der Kultur finanzielle und strukturelle Verlässlichkeit schaffen müsse. Minister Heere betonte, die Landesregierung habe es immerhin geschafft, 2022 bis 2025 die Kulturausgaben um zehn Prozent zu erhöhen. Perspektivisch sei eine solche Entwicklung jedoch immer abhängig von steigenden Steuereinnahmen. Nach ihren Visionen und Wünschen für 2030 befragt, waren sich alle Podiumsgäste einig, dass Verstetigung, Planungssicherheit und Strukturstärke über politische Wechselverhältnisse hinaus und damit für ein demokratisches Gemeinwesen die zentralen Grundpfeiler seien, um die Relevanz von Kultur zu verstärken. Olaf Martin, ALLviN-Sprecher, leitet daraus ab: „Die Latte ist hoch gelegt: Für den Doppelhaushalt 2027/2028 sollte Niedersachsen weg vom vorletzten Platz der Kulturförderung“.

Neben dem Kulturfördergesetz kam im Debattierdreieck „Kultur und Schule“ mit Ministerin Hamburg, Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Bundesakademie für kulturelle Bildung) und Jan Olliges (Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen/Theaterwerk Albstedt) mit dem „Startchancen-Programm“ eine weitere wichtige Finanzierungsquelle zur Sprache. Sie waren sich einig, dass kulturelle Bildung ein wichtiger Faktor für Partizipation, Integration und Bildungserfolg sei. 

In seinem abschließenden, durchaus provokanten Kommentar staunte „der kulturpolitische reporter“ Peter Grabowski, dass gleich drei Landesminister auf einer Kulturkonferenz präsent seien. Dies sei ein Ausdruck hoher Wertschätzung. Das habe er noch nie erlebt – und das gelte es zu nutzen.

Die drei Arbeitsgruppen präsentierten im Rahmen der Schlussworte ihre Handlungsempfehlungen an die Adresse der Politik. Für den Bereich Schule seien sichere finanzielle und personelle Ressourcen, verankerte Strukturen auf allen Ebenen sowie eine gute Information und Qualifikation für die Zusammenarbeit wichtig. In Niedersachsen fehle eine Kommunikationsplattform zwischen Kultur und Tourismus, u. a. um die Relevanz von Kultur in der Landestourismusstrategie zu stärken. Um gesellschaftliche Resilienz zu befördern, müsse die Kultur gestärkt werden. Ferner sollen Begegnungsräume geschaffen werden, um mehr Menschen im Flächenland Niedersachsen erreichen zu können.

Natürlich konnte auch diese Tagung nicht ohne Kultur stattfinden: Zum Auftakt und zum Abschluss gab es elektronischen Deutsch-Pop der Musikerin und Festivalleiterin Thelma Malar. Die Moderation des gesamten Symposiums lag in den bewährten Händen der Journalistin Andrea Schwyzer. 

Als Fazit der Tagung und der lebhaften Diskussionen kann formuliert werden: Wir brauchen Kultur mehr denn je als Motor für Differenzierung, als „Waffe gegen Vereinfachung“ (Berg) – für unsere Demokratie und unser Selbstverständnis als Menschen.

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